Cybermobbing illegal? – Mir doch egal “Ich bin 13 und noch nicht strafmündig.” – Sorry Kids, so einfach ist es nicht

Auf Spiegel Online ist heute ein lesenswerter Artikel erschienen, der eindrucksvoll den Leidensweg eines jungen Mädchens schildert, dass der “ersten Liebe” “Oben-Ohne”-Bilder von sich geschickt hat. Der Angebetete hatte nichts besseres zu tun als die Bilder an der Schule zu verbreiten und freute sich über seine Leistung: “Haha, verarscht”.

Auch die Mitschüler des jungen Mädchens hatten nichts besseres zu tun als sich zu beteiligen und die Bilder weiter zu verbreiten. Sowas nennt man Cybermobbing und der Beitrag schildert sehr plastisch wie belastend dies für die Betroffene ist.

Cybermobbing ist eine Persönlichkeitsrechtsverletzung und die Verbreitung von Nackfotos – hierzu gehören natürlich auch “Oben-Ohne”-Fotos – stellt einen Eingriff jedenfalls in die Privats-/Intimsphäre dar. Die Verbreitung ist naturgemäß rechtswidrig. Dies scheint auch einer Mitschülerin bekannt gewesen zu sein, die sich an der Verbreitung beteiligte. Aber, rechtskundig wie sie ist, antwortet sie auf den Hinweis, dass die Verbreitung illegal ist: “Ich bin 13 und noch nicht strafmündig”.

Aber sorry Kids: So einfach ist es nicht! Es ist zwar richtig, dass die Strafmündigkeit – Voraussetzung für eine strafrechtliche Verfolgung – erst mit 14 Jahren beginnt. Allerdings beginnt die sog. Deliktsfähigkeit mit der Vollendung des 7. Lebensjahrs ( § 828 BGB). Die Deliktsfähigkeit ist Voraussetzung für die zivilrechtliche Haftung. Die Versendung von Nackfotos stellt eine Persönlichkeitsrechtsverletzung und Verletzung des Rechts am eigenen Bild dar und löst zivilrechtliche Ansprüche aus. Zu nennen ist hier der Unterlassungsanspruch und auch ggfls. ein Anspruch auf Geldentschädigung (Schmerzensgeld). Zudem sind auch die Kosten für die Einschaltung eines Rechtsanwalt zu ersetzen, der mit der Verfolgung dieser Ansprüche beauftragt wird.  Auch Gerichtskosten sind zu tragen. Hier können sich schnell Zahlungsansprüche im vierstelligen Bereich ergeben. Zudem wird der Täter im Rahmen des Unterlassungsanspruchs verpflichtet, solche Handlungen zukünftig zu unterlassen. Im Fall der Zuwiderhandlung wird eine Vertragsstrafe oder ein Ordnungsgeld im vierstelligen Bereich fällig.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die zivilrechtlichen Konsequenzen als härter empfunden werden als die strafrechtlichen. Bei einem Ersttäter wird davon auszugehen sein – ich bin allerdings kein Strafrechtler! – das – nur – eine Verwarnung ausgesprochen würde oder wenige Arbeitsstunden abzuleisten wären. Die dargestellten Zahlungsansprüche sollten deutlich schmerzhafter wahrgenommen werden.

Eltern von durch Cybermobbing betroffenen Kindern sollten sich auch dieser zivilrechtlichen Möglichkeiten bewusst sein. Da die dargestellten Kosten zunächst sicherlich durch die Eltern der Täter vorgelegt werden würden, ist davon auszugehen, dass auch die elterliche Einwirkung auf die Täter deutlich motivierter wahrgenommen werden würde.

Bewertung des Beitrags
  Bewertung 4.9 Sterne aus 10 Stimmen

Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Tobias Herrmann - Rechtsanwalt, LL.M. - spezialisiert im Medienrecht, IT-Recht, externer Datenschutzbeauftragter, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, Markenrecht, Presserecht, Persönlichkeitsrecht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.