Ferchichi vs. Kay One oder das LG Berlin und der “Tag des jüngsten Gerichts”

Die Rapper Kay One und Bushido sind sich nicht (mehr) besonders freundlich gesinnt. Zumindest wenn man der einschlägigen Presseberichterstattung glauben schenken darf.

Auch Anwälte und Gerichte sind nun an der Auseinandersetzung beteiligt. So hat – wie u.a. der Stern berichtet – nun das LG Berlin über die Rechtswidrigkeit eines Werks von Kay One mit dem Titel “Tag des jüngsten Gerichts” – ein passender Titel für eine gerichtliche Auseinandersetzung – zu entscheiden und offenbar festgestellt, das der Song nicht weiter verbreitet werden darf.

Für einige Aufregung hat dabei der Umstand gesorgt, dass es offenbar nicht Bushido selbst war, der im Wege der einstweiligen Verfügung die weitere Verbreitung des Songs stoppte, sondern seine Ehefrau Anna-Maria Ferchichi. Der Song enthielt neben heftigen Angriffen gegen Bushido selbst auch – wie der Stern es formuliert: “Beischlafphantasien” mit Frau Ferchichi. Jedenfalls diese Stellen hat das LG Berlin offenbar für persönlichkeitsrechtsverletzend erachtet.

Tatsächlich ist das Vorgehen der Anwälte von Herrn und Frau Ferchichi in diesem Fall durchaus als taktisch klug zu erachten. Es erscheint mir zweifelhaft, ob Bushido selbst einen Unterlassungsanspruch hätte erfolgreich geltend machen können. Sicherlich enthält der Song einige drastische Zeilen, die unter “normalen” Umständen sicherlich als persönlichkeitsrechtsverletzend erachtet werden müssten. Allerdings ist auch Bushido ein Rapper und hat in der Vergangenheit ebenfalls Schlagzeilen mit drastischen Zeilen gemacht. Zudem handelt es sich vorliegend offenbar um einen “Diss”-Track. Diese Form der musikalischen Auseinandersetzung “lebt” genau von drastisch formulierten Angriffen und unterfällt jedenfalls teilweise auch der grundgesetzlich geschützten Kunstfreiheit. M.E. ist es in einer solchen Konstellation so, dass ein Rapper, der sich ebenfalls mit “Gangsta”-Rap befasst, in einem erheblichen Maße auch drastische Angriffe hinnehmen muss. Jedenfalls dann, wenn es sich nur um Meinungsäußerungen und wahre Tatsachenbehauptungen handelt.

Es hätte daher eine große Wahrscheinlichkeit bestanden, dass Bushido eine Klage verloren hätte. Wahrscheinlich zu großen Freude von Kay One.

Anders verhält es sich natürlich mit den Persönlichkeitsrechten von Frau Ferchichi, die mit der “Gangsta”-Rap-Szene eigentlich nur über ihre Ehe mit Bushido “verbunden” ist. Sie muss es grundsätzlich nicht hinnehmen, Opfer eines “Diss”-Songs zu werden.

Allerdings: Soweit mir bekannt, gehören auch sexuelle Beleidigungen von Familienmitgliedern zum durchaus üblichen und “anerkannten” Repertoire von “Diss-Songs”. Man könnte daher auch argumentieren, dass es gar nicht um die Person von Frau Ferchichi als solche ging, sondern um ihre “formale” Stellung als Ehefrau von Bushido. Und das sie aus diesem Grund auch die “Erwähnung” in Diss-Songs hinnehmen muss, da sie schließlich wusste, wen sie heiratet. Es würde mich schon interessieren, wie das LG Berlin und/oder höhere Instanzen dieser Argumentation begegnen würden.

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Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Tobias Herrmann - Rechtsanwalt, LL.M. - spezialisiert im Medienrecht, IT-Recht, externer Datenschutzbeauftragter, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, Markenrecht, Presserecht, Persönlichkeitsrecht

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