Gefakte Pornobilder ins Internet gestellt – OLG Oldenburg spricht Opfer 15.000 Euro Schmerzensgeld zu

Rainer Sturm / pixelio.de

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Es gibt in der anwaltlichen Praxis immer wieder Fallkonstellationen bei denen ich nur den Kopf schütteln kann. Über eine solche Konstellation berichteten die Kollegen der Kanzlei Kopp Rechtsanwälte. Es geht um Fake-Pornobilder im Internet.

In dem dem OLG Oldenburg vorliegenden Sachverhalt war es offenbar so, dass der Beklagte in Pornobilder das Gesicht und den Kopf der Klägerin montiert, die Bilder ins Internet gestellt und die Bilder unter voller Namensnennung der Klägerin mit Kommentaren wie “…draußen ficken” und “…zum ficken geil” versehen hatte, wie der Kollege Dr. Bahr berichtet.

Bei einer derartig glasklaren Rechtsverletzung, fällt es mir fast schwer, darauf hinzuweisen, dass die Veröffentlichung von Nacktbildern eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung darstellt. Nacktbilder gehören in aller Regel zum Bereich der Intimsphäre, deren Schutz absolut  ist.

Die Schwere der Rechtsverletzung wird auch nicht wirklich dadurch gemildert, dass “nur” eine Fotomontage vorgenommen wurde und somit jedenfalls der Körper der Klägerin nicht “wirklich” dargestellt wird. Eine solch schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung rechtfertigt in aller Regel auch einen Anspruch auf Geldentschädigung/Schmerzensgeld. Dies sah auch das OLG Oldenburg (Urt. v. 11.08.2015 – Az.: 13 U 25/15) und sprach der Klägerin einen Anspruch von 15.000 € zu.

Betroffenen – das gilt auch natürlich für Männer – kann nur geraten werden gegen solch massive Persönlichkeitsrechts sofort und entschlossen vorzugehen. Wie der vorliegende Fall zeigt stehen dem Betroffenen nicht nur – selbstverständlich – Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche, sondern auch erhebliche Schmerzensgeldansprüche zu. Auch eine strafrechtliche Ahndung ist möglich.

So unangenehm der Sachverhalt auch sein mag, ein Zögern aus falscher Scham ist hier fehl am Platz. Es gilt Beweismittel zu sichern: Also z.B. Screenshots anfertigen, einen Zeugen hinzuziehen und sich sofort rechtlicher Hilfe zu bedienen. Die Löschung solcher Bilder kann erfahrungsgemäß binnen weniger Stunden, jedenfalls weniger Tage erreicht werden.

 

 

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Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Tobias Herrmann - Rechtsanwalt, LL.M. - spezialisiert im Medienrecht, IT-Recht, externer Datenschutzbeauftragter, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, Markenrecht, Presserecht, Persönlichkeitsrecht

2 Comments

  1. Pornobilder ins WEB stellen gras!
    Das stelle sich einer vor:
    Das surfst du so durchs Internet und dann siehst du deinen Nachbarn nackt!
    Den will ich nicht sehen …

    Gruss Tom

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