Sportrecht: DFB-Reglements teilweise unwirksam – Spielervermittler dürfen weiterhin Provision für minderjährige Lizenzspieler verlangen

Das Landgericht Frankfurt mit einem Urteil vom 29.04.2015 – 2-06 O 142/15 – festgestellt, dass das neue DFB-Reglements für Spielervermittlung in Teilen unwirksam ist.

Zum Hintergrund: Der DFB hatte aufgrund von Vorgaben der FIFA ein neues Reglement für Spielervermittler verabschiedet, dass zum 01.04.2015 in Kraft trat und erhebliche Einschnitte für Spielevermittler vorsieht. Gegen dieses Reglement wendete sich eine Management-Gruppe für Profifussballer und beantragte in einem einstweiligen Verfügungsverfahren eine Reihe von Regelungen zu untersagen.

Das LG Frankfurt gab den Anträgen teilweise statt und befand, dass eine Reihe von Regelungen aus kartellrechtlichen Gründen unwirksam sind. Z.B.:

Unwirksam ist das pauschale Verbot einer Provision bei Transfer minderjähriger Spieler:

Die Kammer hält indes angesichts des hohen Wertes des Schutzgutes des Minderjährigenschutzes die grundsätzliche Wertung einer besonderen Schutzbedürftigkeit Minderjähriger bei der Vermittlung als Berufsfußballspieler für rechtlich zulässig. Sie hat dabei berücksichtigt, dass „Berufsspieler“ nach § 1 Nr. 1 des Reglements auch Vertragsspieler sind, die in unteren Ligen, für geringe Beträge tätig sind. In diesem Bereich ist eine besondere Gefährdung für Jugendliche vorhanden, die von Spielervermittlern aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt werden und zum Spielball der Vermittler werden können.
Für die Vermittlung von Lizenzspielern ist eine derartige Beschränkung allerdings unverhältnismäßig. Lizenzspieler der ersten und zweiten Bundesliga sind nicht in dem Maße schutzbedürftig wie Vertragsspieler der unteren Ligen. Besteht die Möglichkeit der Vermittlung in ein Lizenzspielerverhältnis, weist der Spieler eine gewisse sportliche Qualität auf, so dass seine Marktposition sich deutlich besser darstellt als die eines minderjährigen Vertragsspielers, z.B. in der Regionalliga. Alleine aufgrund dieser anderen Ausgangssituation bestehen die vom Antragsgegner beschriebene Abhängigkeit des Spielers und die Gefahr des Ausgeliefertseins nicht in vergleichbarem Maße. Zudem kommt hinzu, dass angesichts der im Lizenzspielerbereich aufgewendeten Summen der Eingriff in die Rechte der Antragstellerin deutlich stärker ist als im Bereich der Vertragsspieler.

Ebenfalls unwirksam ist das Verbot der prozentualen Beteiligung:

Das Verbot einer lediglich pauschalen Honorierung bei einer Transaktion ist rechtswidrig, solange es auch untersagt, dass diese „pauschale“ Honorierung sich prozentual an der Transfersumme orientiert. Der Antragsgegner hat zwar in der mündlichen Verhandlung klargestellt, dass die Regelung lediglich eine vorherige Festlegung der Beteiligung erfordert, was eine an der Höhe der Transfersumme orientierte Vereinbarung des Honorars nicht verhindert. Eine solche einschränkende Auslegung der Klausel ist jedoch nicht zwingend. Vielmehr lässt sich die Klausel auch dahingehend auslegen, dass die „Pauschale“ sich nicht an der Höhe der Transfersumme orientieren dürfte.
Hierfür ist ein sachlicher Grund nicht ersichtlich. Es entspricht geradezu dem Leitbild der Maklertätigkeit, dass die Vergütung sich an dem Wert desjenigen orientiert, das vermittelt wird (hier: Transferentschädigung). Zudem wäre nicht erkennbar, inwieweit diese Regelung den oben dargestellten Zwecken dienen könnte.

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Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Rechtsanwalt Tobias Herrmann

Tobias Herrmann - Rechtsanwalt, LL.M. - spezialisiert im Medienrecht, IT-Recht, externer Datenschutzbeauftragter, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, Markenrecht, Presserecht, Persönlichkeitsrecht

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